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8. Newsletter „Rassismuskritische Migrationspädagogik“

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleg_innen,

das Wort des Jahres 2015 in Deutschland lautet „Flüchtlinge“ – in Österreich das Wort „Willkommenskultur“. Zwei Wörter, die zweifellos das vergangene Jahr geprägt haben. Auf der einen Seite öffnen Jugendhäuser, Schulen, Kindertagesstätten, Verbände und Kirchen ihre Türen für Geflüchtete. Sozialarbeiter_innen, Ehrenamtliche und Kommunen stellen sich der Herausforderung, Strukturen aufzubauen. Leben Willkommenskultur. Schaffen Räume für Begegnung und gegenseitigen Austausch.

Thomas Gebauer von medico international schreibt: „Das kaum für möglich gehaltene Ausmaß an solidarischem Miteinander, das offenherzige Menschen hierzulande mit den ankommenden Flüchtlingen verbunden hat, hat eine eminent wichtige politische Bedeutung. Getragen von Mitgefühl und Hilfsbereitschaft ist es gelungen, ein authentisches Zeichen gegen Rassismus und Gewalt zu setzen und zugleich deutlich zu machen, dass Globalisierung keine Einbahnstraße sein darf. Anerkennung und weltweite Bewegungsfreiheit, wie wir sie für uns in Anspruch nehmen, müssen auch für die Menschen im globalen Süden gelten“ (medico-rundschreiben04/15).

Auf der anderen Seite sehen wir mit Erschrecken die steigende Zahl der Übergriffe und Straftaten gegenüber Geflüchteten. Bis Oktober zählte die Polizei 3.155 Straftaten, die sich gegen Flüchtlinge und andere Migranten richteten. (Zeit Online, 20.12.2015). Viele berichten von Erfahrungen in Alltagsbegegnungen auf der Straße, im Job, im Freundeskreis, dass die Stimmung längst am Kippen ist. Nicht nur für Geflüchtete, sondern für alle, die als „Migrant_innen“ gesehen werden.

In den Bildungsinstitutionen, in der sozialen Arbeit stehen wir vor einer Situation, dass Standards immer mehr abgesenkt werden soll. So sind die Stimmen, die sich dagegen wehren? Immerhin gibt es erste Anzeichen für die am Tübinger Sozialpädagogiktag so vehement geforderte Politisierung Sozialer Arbeit. Der Stuttgarter Aufruf „Betreuungsschlüssel senken: Wir brauchen in der Flüchtlingsarbeit mehr Sozialarbeiter/innen“ und das Go-In im Stuttgarter Rathaus sollten uns ermutigen, unsere Stimme zu erheben. Für eine menschenwürdige professionelle Begleitung der Geflüchteten, für eine angemessene professionelle Unterstützung des Ehrenamts, und nicht zuletzt für angemessene Arbeitsbedingungen.

Wir möchten Sie hier noch einmal auf den Aufruf „Für solidarische Bildung in der globalen Migrationsgesellschaft“ aufmerksam machen, an dem unser Netzwerk aktiv mitgearbeitet hat. Falls Sie unterzeichnen möchten, finden Sie auf der Homepage www.aufruf-fuer-solidarische-bildung.de den Aufruf, die Erstunterzeichner/innen des Aufrufs und die Möglichkeit online zu unterschreiben.

In diesem Newsletter haben wir für Sie wie immer aktuelle Veranstaltungen und neue Materialen rund um das Thema Rassismus und Migration zusammengestellt. Vorangestellt haben wir einige lesenswerte Artikel aus den letzten Monaten zur aktuellen Situation.

Mit dem letzten Newsletter in diesem Jahr wünsche ich Ihnen allen schöne Winterferien, friedliche Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Mit besten Grüßen

Andreas Foitzik und Sabine Pester

8. Newsletter „Rassismuskritische Migrationspädagogik“ – Dezember 2015:

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