Die einzige Antidiskriminierungsberatungsstelle in Brandenburg muss schließen, so die Meldung im migazin vom Freitag. Die Bundesgelder sind gestrichen, das Land sieht sich nicht in der Lage, die 250.000 € im Jahr dafür aufzubringen. Brandenburg ist dabei kein Einzelfall, auch in Bayern und anderen Ländern schließen die gerade aufgebauten Antidiskriminierungsbüros nach Jahren des – viel zu langsamen – Aufbaus eines Netzes von unabhängigen Beratungsstellen sind wir nun erstmals in einer Situation, dass Strukturen wieder abgebaut werden. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat mit dem Programm Respekt*land für ein paar Jahre bundesweit den Aufbau neuer Strukturen gefördert, die neue Regierung hat dies nun gestoppt.
Dies ist fatal. Menschen, die im Arbeitsleben, in der Freizeit, in der Schule, am Wohnungsmarkt Diskriminierung erfahren, sind wieder auf sich allein gestellt. Kolleg_innen, die viel Energie in den Aufbau der Strukturen gesteckt haben, können sich einen neuen Job suchen. Gibt es dann irgendwann doch wieder eine Förderung von Land, Bund oder Kommunen gibt, geht das Spiel wieder von vorne los. Was eine grandiose Verschwendung von öffentlichen Mitteln.
Dies ist aber auch in mehrfacher Hinsicht eine Niederlage. Innerhalb weniger Jahre hat eine enorme Verschiebung der politischen Koordinaten stattgefunden. War nach „me too“ und „Black lives matter“ noch eine hohe gesellschaftliche Zustimmung gegen Rassismus, Sexismus, Diskriminierung und für Inklusion und Gleichstellung zu spüren, sagt heute Cem Özdemir ganz offen, dass Diskriminierung für ihn kein Thema ist, weil sein Wahlkampf auf die bürgerliche Mitte zielt. In einer Mischung von angeblichem Spardruck, Anti-Wokism und Bürokratieabbau ist es möglich, über Jahre mühsam erkämpfte Strukturen wieder abzubauen, ohne größere Proteste befürchten zu müssen. Hier schwappt schon einiges an Trumpismus über den Ozean.
Auf dem Abschlusstreffen von Respekt*land im Januar in Berlin war beides zu spüren: Wut, Ärger und Ohnmacht angesichts der aktuellen Entwicklung, aber auch Stolz über das Erreichte und eine beharrliche Zuversicht, diesen Weg auch angesichts der aktuellen Krise weiterzugehen. Diese zivilgesellschaftlichen Strukturen brauchen aber mehr Solidarität von denen, die noch in sicheren Jobs arbeiten. Angesichts dessen, was zu kommen droht, müssen wir dringend Wege finden, uns gegenseitig besser zu unterstützen. Nicht, um die Jobs zu sichern, sondern um die notwendige Arbeit fortführen zu können.
Der Gastkommentar dieses Newsletters bezieht sich auf die Ereignisse in Venezuela und die unterwürfige Reaktion aus Berlin auf den klar völkerrechtswidrigen Akt der US-Regierung. Über die postkolonialen Kontinuitäten in der aktuellen Weltpolitik sprach in einem exklusiven Gespräch für diesen Newsletter Isabelle Ihring mit Dr.*in Muriel González Athenas und Dr. Pablo Valdivia Orozco.
Besonders hinweisen wollen wir euch noch auf den gemeinsamen Appell von medico international, Pro Asyl und kritnet „Deutschlands Abschiebepolitik bricht Aufnahmezusagen und ignoriert Krieg, Terror und Unterdrückung“.
Wie immer hoffen wir, dass ihr durch die Beiträge dieses Newsletters in Eurer Arbeit unterstützt und angeregt werdet.
Liebe Grüße für das Redaktionsteam
Andreas Foitzik
51. Newsletter „Rassismuskritische Migrationspädagogik“ – Februar 2026:
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Das Netzwerk informiert mit diesem Newsletter Interessierte in Abständen von circa zwei Monaten über aktuelle Entwicklungen, Veranstaltungen und Publikationen in den Feldern der Rassismuskritik und Migrationspädagogik.
Der Newsletter erreicht bundesweit über 2500 Adressen und wird weitgehend ehrenamtlich erstellt. Die Auswahl der Beiträge lebt auch von den Empfehlungen (info@rassismuskritik-bw.de), die bei uns eingehen, und hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Redaktion: Andreas Foitzik, Sabine Pester und Axel Pohl