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27. Newsletter Rassismuskritische Migrationspädagogik

Schwerpunkt: Corona und grenzenlose Solidarität

Vor drei Wochen haben wir den ersten Sondernewsletter zum Themenschwerpunkt „Hanau, Ägäis und Corona“ herausgebracht. Drei Wochen scheinen wie eine Ewigkeit. Nun hat sich – auch unsere – Aufmerksamkeit gedreht und dieser Newsletter würde eher überschrieben mit Corona, Ägäis und irgendwann noch Hanau. Reproduzieren wir damit das Dethematisieren von Rassismus angesichts der alles überlagernden Krisensituation? Oder bleibt uns kaum etwas anderes übrig, als Solidarität von der Krise aus zu denken?

Nach den guten Rückmeldungen zu unserem schnell produzierten Sondernewsletter stellen wir auch diesem „normalen“ Newsletter einen Themenschwerpunkt voran: Unter dem Titel „Corona und grenzenlose Solidarität“ haben wir nach Materialien gesucht, die den Diskurs zu der Coronakrise in verschiedene Richtungen aus der nationalen Einengung befreien wollen. Wir wollen wir damit gegen ein nationales „Wir“ darauf hinweisen, wie zum einen das Krisenmanagement in allen gesellschaftlichen Bereichen die bestehende Ungleichheit vergrößert, zum andern wollen wir über die Grenzen hinaus solidarische Perspektiven aufrecht erhalten, allen voran auf die Situation der Geflüchteten an den Außengrenzen Europas. Beides auch vor dem Hintergrund der Bedeutung für Soziale Arbeit und Pädagogik.

Vor verschiedenen Hintergrundtexten und -podcasts stehen wir immer Kampagnen, Stellungnahmen und Aufrufe. Dabei mag es nicht verwundern, darunter dass mehr als sonst online-Petitionen zu finden. Dies spiegelt auch eine Hilflosigkeit wider, angesichts der realen Notwendigkeiten für politische Intervention auf dieses Format zurückgeworfen zu sein. Es wird in nächster Zeit darauf ankommen, darüber hinaus die entstehenden Ansätze für politische Aktivitäten in der Krise weiter zu entwickeln, um zu Beispiel die Situation an den EU-Außengrenzen, aber auch von besonders rechtlosen Gruppen in unserer Gesellschaft in der Öffentlichkeit zu skandalisieren.

Beispielsweise seien hier auf die Balkonproteste in Hamburg genannt, die die abendliche Aufmerksamkeit des solidarischen Applauses für all die Menschen, die gerade als Pflegekraft, im Krankenhaus, in den Supermärkten im Einsatz sind, nutzen und unter dem Motto SCREAM! um 21.59 Uhr 60 Sekunden lang für all die schreien, „die vor den europäischen Außengrenzen stehen, die in Zelten gefangen sind, die nicht einmal Zugang zur grundlegenden Hygiene und Allgemeinversorgung haben“.

Nach der Krise – wann auch immer das sein wird – werden all die Krisen immer noch da sein, nur noch mächtiger und zugespitzter. Gerade deswegen dürfen wir in der Krise nicht all die Kämpfe und widerständige Praxen vergessen, an die wir danach werden anknüpfen müssen.

Mit besten Grüßen

Andreas Foitzik und Sabine Pester
Netzwerk rassismuskritische Migrationspädagogik Baden-Württemberg

Download 27. Newsletter „Rassismuskritische Migrationspädagogik“ – April 2020:

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