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Einmischung

Wir nehmen aus unserer professionellen Perspektive heraus bei aktuellen Anlässen Stellung zu (fach-)politischen Fragen. Mit dem Aufruf “PädagogInnen gegen Abschiebung von Flüchtlingen in den Kosovo” haben wir dabei auch landes- und bundespolitische Akzente gesetzt.

Daneben führen wir öffentliche Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen durch oder veröffentlichen inhaltliche Positionen.

1,5 qm Stoff und Debatten ohne Ende? Diskussionsveranstaltung am 10. Juli in Tübingen

Der pädagogische Diskurs zum Kopftuch bei Jugendlichen

Eine Diskussionsveranstaltung des Netzwerks Rassismuskritische Migrationspädagogik und des Instituts für Erziehungswissenschaft

Mittwoch, 10. 7.2019, 20h c.t., Alte Aula Tübingen

Eine Frauenrechtsorganisation forderte in ihrem Aufruf „Den Kopf frei haben!“ ein gesetzliches Verbot des Kopftuchs „im öffentlichen Raum vor allem in Ausbildungsinstitutionen für alle minderjährigen Mädchen“.

Darauf hat das Netzwerk Rassismuskritische Migrationspädagogik mit einer migrationspädagogischen Stellungnahme reagiert, die von über 100 Erstunterzeichnenden und einer zunehmenden Zahl von Einrichtungen und Verbänden aus unterschiedlichen Feldern der Pädagogik unterstützt wird. Ausdrückliches Ziel dieser Stellungnahme ist es, die Debatte auf eine fachliche pädagogische Grundlage stellen und damit der zunehmenden Polarisierung der Diskussion um den Islam in Deutschland entgegenzutreten.

Doch damit fängt die Auseinandersetzung erst an:

Pädagog*innen sind von der Forderung nach einem Kopftuchverbot für Minderjährige auch betroffen, weil es besonders auf ihre Arbeits- und Ausbildungssituationen abzielt.

Aber auch unter den Unterstützer*innen der Stellungnahme des Netzwerks gab es kritische Nachfragen, was die Pädagogik tatsächlich zu diesem Thema beitragen kann.

  • Wie kann die Pädagogik Jugendliche begleiten, die mit antimuslimischem Rassismus konfrontiert werden?
  • Wie kann sie Mädchen und junge Frauen unterstützen, die sich aus familiären Zwangsverhältnissen jedweder Art befreien wollen?
  • Wie kann sie über Bildungsprozesse dazu beitragen, dass die Bilder über Mädchen und junge Frauen, die ein Kopftuch tragen, weniger einseitig und festlegend sind?

Diese Fragen wollen wir am 10. Juli 2019 diskutieren – nach einer Einführung zum Thema durch die Autor*innen der Stellungnahme stellen sich Praktiker*innen der Jugendarbeit, Vertreter*innen von pädagogisch arbeitenden Migrantenorganisationen und von Ausbildungsinstitutionen der Debatte.

Auf dem Podium diskutieren:

  • Lena Hetzel vom Mädchentreff Tübingen
  • Halide Özdemir von Yasemin (Beratungsstelle für junge Migrantinnen zwischen 12 und 27 Jahren) Stuttgart
  • Sabrina Fellous von FödeM (Förderung des deutschsprachigen Moscheeunterrichts”) Herrenberg
  • Jussra Schröer vom Institut für islamische Theologie der Universität Tübingen.

Das Gespräch moderiert Barbara Stauber.

Alle Interessent*innen – seien sie engagiert in Praxis, Wissenschaft, oder Fachpolitik, seien sie Studierende oder Lehrende, seien sie mittel- oder unmittelbar Betroffene – sind herzlich eingeladen!

Die Veranstaltung wird durchgeführt in Kooperation mit dem Bundesmodellprojekt „Empowerment – quer gedacht“ bei dem Verein adis e.V.

“Empört. Enttäuscht. Fassungslos.”

Ein Gastkommentar von Nazile Savaştürk* und Ayşe Çınar*

Empört über den Titel der Petition von Terre des Femmes „Den Kopf frei haben“. Enttäuscht über das Unverständnis einer gemeinnützigen Menschenrechtsorganisation gegenüber Frauen, die nicht in ihre ‚weiße‘ Feminismusdefinition passen. Und fassungslos über die zahlreichen Unterzeichnungen dieser Petition von jenen Menschen, die in der Öffentlichkeit als Sprachrohr gelten. Weiterlesen

Nein zu einem Kopftuchverbot für Minderjährige – eine migrationspädagogische Stellungnahme

Download der gesamten Stellungnahme als PDF-Datei (217,7 KB)

Als diskriminierungskritische Pädagog*innen[*] beziehen wir Position zu der Forderung nach einem gesetzlichen Verbot des Kopftuchs „im öffentlichen Raum vor allem in Ausbildungsinstitutionen für alle minderjährigen Mädchen“ in dem Aufruf „Den Kopf frei haben!“ von Terre des Femmes. Wir wollen mit dieser Stellungnahme die Debatte auf eine fachliche Grundlage stellen und damit auch angemessene politische Entscheidungen befördern. Einrichtungen und Verbände der Bildung und Sozialen Arbeit fordern wir auf, sich mit der Unterzeichnung dieser Stellungnahme öffentlich dieser Position anzuschließen.

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„Nie wieder!“ und der Wunsch, nichts zu wissen

Ein aktueller Kommentar von Astrid Messerschmidt

Migration ist zu einem Platzhalter für alle möglichen Äußerungen der Unzufriedenheit, des Gefühls, zu kurz zu kommen und der Angst geworden. Europaweit sorgt das Thema für die Reaktivierung nationaler Identitätsbehauptungen. In Deutschland lässt sich das anhand der Umdeutung eines bedeutenden Topos beobachten. „Nie wieder!“ stand bis vor kurzem für die Abgrenzung von allem, was mit dem Nationalsozialismus in Verbindung steht und ist im Lauf der Zeit zu einer Formel der Selbstvergewisserung gemacht worden, so als sei das, wozu die zwei Worte aufrufen, bereits umgesetzt, so als gäbe es in der deutschen Gesellschaft und Politik tatsächlich nichts mehr von dem, was den NS ausmachte, keinen Rassismus, völkischen Nationalismus und schon gar keinen Antisemitismus. Weiterlesen

Nach Köln – sprechen über Sexismus und Rassismus

Wir freuen uns sehr, an dieser Stelle den Vortrag von Astrid Messerschmidt „Nach Köln – sprechen über Sexismus und Rassismus“ zur Verfügung stellen zu können.

Der Vortrag ist ein Beitrag zu einer Veranstaltung am 28. Januar 2016 in Tübingen. Eingeladen hatten dazu die Tübinger Regionalgruppe des Netzwerks in Kooperation mit dem Institut für Erziehungswissenschaft. Zu dieser Netzwerkveranstaltung nur wenige Wochen nach den Ereignissen der Silvesternacht kamen 300 Besucher_innen. Die große Resonanz verdeutlicht, wie groß der Bedarf an Orientierung in schwierigen Debatten im Moment ist.

Astrid Messerschmidt: Nach Köln – sprechen über Sexismus und Rassismus. Vortrag vom 28.01.2016:

PDF-Datei (107,7 KB)

Aufruf für solidarische Bildung

Für solidarische Bildung in der globalen Migrationsgesellschaft. Ein Aufruf aus Erziehungswissenschaft, Pädagogik und Sozialer Arbeit

Das Bedürfnis nach angemesseneren Lebens- und Arbeitsbedingungen, aber auch die vielfache wechselseitige, praktische Verwiesenheit der Weltbevölkerung aufeinander, verbindet geflüchtete Menschen, Menschen an den Zielorten der Flucht und etablierte Bewohner_innen der relativ privilegierten Zielorte dieser Welt. Darauf kann eine zeitgemäße Solidarität aufbauen. Der Impuls, der von Migrationsbewegungen ausgeht, ist somit weitreichender als die verbreitete pädagogische Reaktion, die auf die „Integration von Migrant_innen“ fokussiert ist und „Willkommenskulturen“ propagiert . Mit einer migrationsgesellschaftlichen und machtreflexiven Pädagogik verbindet sich vielmehr ein politisches Projekt, das die Ordnung der pädagogischen, ökonomischen und sozialen Organisationen und der Bildungsinstitutionen theoretisch, konzeptionell und praktisch zum Thema macht und zu revidieren beabsichtigt. Weiterlesen