Zum Inhalt springen

5. Newsletter „Rassismuskritische Migrationspädagogik“

Aus dem Editorial:

Unser neuer Newsletter sollte ganz im Zeichen des Hearings „NSU als Zäsur- Strategien gegen institutionellen Rassismus“, das das Netzwerk Rassismuskritische Migrationspädagogik gemeinsam mit dem LAKA und zahlreichen weiteren Organisationen am 30. April in Stuttgart veranstaltet. Doch dazu später. Zwei ganz unterschiedliche Ereignisse in der letzten Woche haben uns gezwungen inne zu halten.

Cover Newsletter 5Birgit Rommelspacher, eine der wichtigsten Vertreter_innen der wissenschaftlichen und politischen Auseinandersetzung mit Rassismus ist überraschend im Alter von 69 Jahren gestorben. Sie prägte den Begriff der „Dominanzkultur“ und entwickelte dabei theoretische Grundlagen für die Erforschung struktureller Diskriminierung und dominanzkultureller Aspekte des Weißseins.  Sie forschte und lehrte seit 1990 an der Alice Salomon Hochschule in Berlin im Bereich „Theorie und Praxis von Mädchen- und Frauenarbeit“. Ihre wichtigsten Themen waren Geschlechterforschung, Rassismus, Antisemitismus, Frauen und Rechtsextremismus und antimuslimischer Rassismus.
Noch vor wenigen Wochen haben wir sie als Referentin für das Hearing gewinnen wollen, sie musste absagen, weil sie eine Seniorprofessur in Frankfurt angenommen hat und auch sonst noch viel unterwegs war. Eine wichtige Vordenkerin und Mitstreiterin wird uns fehlen.

Fassungslos lassen uns die Nachrichten über die zwei Schiffskatastrophen der letzten Wochen zurück. Es fällt schwer, hier Worte der Analyse, der Klage, der Reflexion zu finden. Wir wollen uns auch nicht beteiligen, an dem Zählen von noch mehr Toten in dem Versuch, über „Rekorde“  die Aufmerksamkeit zu erreichen, die wir offenbar nicht mehr in der Lage sind, dem alltäglichen Sterben im Mittelmeer entgegen zu bringen. Wir verweisen auf den kurzen Text „Ein Unglück als Ausschnitt einer andauernden Katastrophe. Eine rassismuskritische Einmischung aus aktuellem Anlass“, den wir nach der Katastrophe vor Lampedusa im Jahr 2013 veröffentlicht haben. http://www.rassismuskritik-bw.de/materialien/downloads/. Außerdem empfehlen wir eine aktuelle Stellungnahme von medico international https://www.medico.de/medico-international-zu-fluechtlingsdrama-im-mittelmeer-16013/

Doch nun zu unserem Hearing „NSU als Zäsur- Strategien gegen institutionellen Rassismus“. Wie in diesem Newsletter bereits veröffentlicht, hat unser Netzwerk Rassismuskritische Migrationspädagogik Baden-Württemberg Anfang November sich mit dem Aufruf des Netzwerkes „Pädagog_innen gegen institutionellen Rassismus“ zu Wort gemeldet. Darin fordern wir gemeinsam mit VertreterInnen der Erziehungswissenschaft, der Landes-GEW und anderen Verbänden eine gründliche Aufarbeitung des NSU-Komplexes und nachhaltige Strategien, wie die Gesellschaft in Zukunft sich des Themas institutioneller Rassismus annimmt. Es besteht immer noch die Möglichkeit, den Aufruf zu unterzeichnen: http://www.rassismuskritik-bw.de/aufruf-gegen-institutionellen-rassismus/!

Der Aufruf wird im Rahmen des Hearings mit den Unterschriften der Öffentlichkeit übergeben. Dies war aber nicht der Anlass, das Hearing anzustoßen. Es geht uns dabei darum, vor dem Hintergrund des verlorenen Vertrauens innerhalb der (migrantischen) Gesellschaft, die Auswirkungen des NSU-Skandals auf Migrant_innen zu thematisieren und offen zu fragen, wie Strategien aussehen müssen, die nachhaltig und langfristig institutionellen Rassismus bekämpfen. Daher haben wir den Landesverband der kommunalen Migrationsbeauftragten (LAKA) darin unterstützt, sich hier deutlich und wahrnehmbar zu Wort zu melden.

Migrantische Verbände hatten frühzeitig und lange vergebens eine vollständige Aufklärung der NSU-Morde und des damit zusammenhängenden institutionellen Rassismus der staatlichen Sicherheitsbehörden gefordert. Mit dem Hearing wollen wir den Hauptaugenmerk darauf legen, wie in Zukunft eine zivilgesellschaftliche „Kontrolle“ der Sicherheitsapparate aussehen kann. Daher haben mit Chester Morrison einen Vertreter der schwarzen Community aus Wolverhampton eingeladen, der über die englischen Erfahrungen berichten kann. Dies wird auch Schwerpunkt der lokalen Veranstaltung in Tübingen am Vortag sein.

Bei der Veranstaltung „Strategien gegen institutionellen Rassismus – Lernen von Großbritannien?“ am 29. April, 20.15h am Institut für Erziehungswissenschaft der Uni Tübingen, die ebenfalls von unserem Netzwerk organisiert ist, zeigt Chester Morrison auf, wie Strategien gegen institutionellen Rassismus aussehen könnten. In Großbritannien sind seit den 1990er Jahren vielfältige Ansätze in Zusammenarbeit zwischen Behörden und Zivilgesellschaft entwickelt worden, von denen die hiesige Debatte wichtige Impulse bekommen kann.

Neben einer Reihe von aktuellen Tagungen und Terminen, haben wir wieder neue Materialien für Sie zusammengestellt.

Andreas Foitzik und Sabine Pester

5. Newsletter als PDF-Datei (749,0 KB)